Willkommen bei der Arbeitsgemeinschaft Verkehrslärm Region Leonberg (AGVL)
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Die Rheintalbahn ist derzeit zwischen Rastatt und Baden-Baden wegen einer erheblichen Gleisabsenkung im Zusammenhang mit dem Bau eines neuen Tunnels für unbestimmte Zeit unterbrochen. Dies ist nicht nur für den Personenverkehr sondern vor allem für den Schienengüterverkehr ein GAU. Denn die Oberrheinstrecke ist die wichtigste Nord-Südverbindung für den Güterverkehr in Deutschland. Bis zu 200 Güterzüge fahren täglich diese Strecke. Für diese muss nun Ersatz geschaffen werden. Die Gäubahn wäre normalerweise die mit Abstand beste Umleitungsstrecke in Richtung Schweiz (siehe Bild).

Gotthard Zulauf

Aber ausgerechnet jetzt ist auch die Gäubahn aufgrund geplanter Bauarbeiten zwischen Böblingen und Horb komplett gesperrt. Wäre das nicht so, würden nun vor allem nachts bereits jetzt ein großer Teil dieser Züge über die Gäubahn umgeleitet werden. Insbesondere die Bahnanlieger in Korntal, Ditzingen, Leonberg, Renningen, Magstadt und Sindelfingen hätten somit in den nächsten Wochen sehr unruhige Tage und Nächte. Für die Bahn AG ist dies doppelt peinlich. Sie hat nicht nur die Folgen des misslungenen Tunnelbaus zu tragen, sondern es ist nun offensichtlich, dass die Bahn AG keinen Plan B hatte für den Fall, dass bei den riskanten Bauarbeiten am Rastatter Tunnel etwas passiert. Denn sonst hätte sie während der kritischen Phase der Unterquerung der Rheintalbahn durch die Tunnelbohrmaschine sicherlich kein Baustelle auf  der Gäubahn eingerichtet.

In einer Pressekonferenz haben gestern Journalisten u.a. das Thema Gäubahn als Umleitungsstrecke angesprochen. Der Bahnsprecher erklärte, dass derzeit geprüft werde, ob die Bauarbeiten zeitlich verkürzt werden könnten. Bisher sahen die Planungen die Fertigstellung bis zum10.September vor. Der Sprecher konnte keinen Termin nennen, bis wann die Sperrung der Rheintalbahn aufgehoben werden wird. Der bisher genannte Termin 26.8.2017 sei unsicher. Der Tunnel müsse an der relativ langen Einbruchsstelle mit Beton verfüllt werden.  Weiterhin würde derzeit zusammen mit dem Verkehrsministerium geprüft, ob der Personennahverkehr auf den Umleitungsstrecken zugunsten von Güterzügen ausgedünnt werden könnte.

Dies bedeutet, dass sich die Bahnanlieger nicht zu früh freuen sollten. Denn die Verfestigung des Bodens unter der eingebrochenen Bahntrasse wird im Sand und Kies der Oberrheinebene unterhalb des Grundwasserspiegels technisch nicht so einfach zu machen sein. Es ist also doch damit zu rechnen, dass irgendwann in den nächsten Tagen/Wochen eine erhebliche Zahl zusätzlicher Güterzüge vor allem nachts durch Leonberg und die anderen Gemeinden rattern werden und möglicherweise auch der S-Bahn-Verkehr betroffen wäre.

Dieser Vorfall zeigt schlaglichtartig auf, dass die Befürchtungen der Bahnanlieger, dass die Strecke über Leonberg als Ersatzstrecke für die Rheintalbahn dienen kann, wohl begründet sind. Dies bezieht sich aber nicht nur auf Notfälle, sondern auch auf den Fall, dass die Rheintalbahn im normalen Betrieb überlastet ist. Sie ist offensichtlich mit 200 Zügen pro Tag bereits 'am Anschlag' . Durch die im letzten Jahr erfolgte Eröffnung des Gotthardbasistunnels und die im aktuellen Bundesverkehrswegeplan prognostizierte erhebliche Zunahme des Güterverkehrs ist damit zu rechnen, dass der Nord-Süd-Verkehr noch weiter zunimmt. Der Ausbau der Rheintalbahn wird sich durch den jetzige Vorfall sicherlich weiter erheblich verzögern.

Daher ist es dringend geboten, die Strecke von Korntal bis Böblingen mit einem effektiven Lärmschutz zu versehen, welcher auch die Zusatzfunktion als Ersatzstrecke für die Rheintalbahn und als offizielle Zulaufstrecke zum neuen Gotthardtunnel mit einbezieht.

Aktuelle Ergänzung:
Nach einer Pressemitteilung der DB AG werden derzeit die Züge vor allem über Plochingen-Tübingen-Horb umgeleitet. Dabei werden Nahverkehrszüge gestrichen, um Platz für die Güterzüge zu machen. Hier der Link zu der PM. Diese Variante ist weitaus aufwendiger als eine funktionierende Gäubahn, weil die Strecke zwischen Tübingen und Horb eingleisig und nicht elektrifiziert  ist, d.h. die Züge müssen mit Dieselloks bespannt werden.

Der SWR meldet, dass auch über die Südbahn (Ulm-Friedrichshafen) umgeleitet wird und großräumig über München und den Brenner.  

 

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